Kunststoffverarbeitung

Die Kunststoffverarbeitung umfasst in Österreich rund 228 Betriebe (NACE 222). Diese Betriebe beschäftigen rund 25.400 Mitarbeiter. Aus diesen Zahlen sieht man bereits, dass die Branche von ihrer Struktur her klein- und mittelbetrieblich ausgerichtet ist. Rund 62 % der Unternehmen beschäftigen weniger als 20 Mitarbeiter, 33 % zwischen 20 und 249 Mitarbeiter und 5 % über 250 Mitarbeiter.

Die Zentren der Produktion liegen in Ober- und Niederösterreich. In diesen beiden Bundesländern finden sich mehr als die Hälfte der Kunststoffverarbeiter-Arbeitsplätze und wird der größte Teil des Produktionswertes erwirtschaftet.

Alle gängigen Verfahren wie Extrusion, Spritzen, Blasen, Schäumen, GfK-Verarbeitung etc. werden als Techniken eingesetzt. Das Erzeugungsprogramm der österreichischen Kunststoffverarbeiter reicht von Folien, Rohren, Schaumstoffen, Profilen, Fenster und Türen, Fassadenelementen, Verpackungen, Möbeln und Kfz-Teilen bis hin zu Freizeit-, Sport- und Haushaltsartikeln und vielem mehr. Splittet man den Umsatz von rund 5,3 Mrd. Euro auf die einzelnen Produkthauptgruppen auf, so entfallen 40 % auf Halbzeug wie Platten, Folien, Schläuche und Profile, 15,5 % auf Verpackungsmittel und 13 % auf Baubedarfsartikel. 31,5 % sind sonstige Kunststoffwaren.

Infolge des kleinen Inlandsmarktes ist die Branche exportorientiert. Die Exportquote der Kunststoffverarbeitungsbetriebe liegt im Schnitt bei ca. 33 %. Manche Betriebe sind aber fast komplett auf Auslandsmärkte ausgerichtet.

2015 wurden Kunststoffwaren (aus Erzeugung und Handel) im Wert von ca. 3,8 Mrd. Euro im Export abgesetzt. Der größte Handelspartner ist Deutschland, welches mit 1,3 Mrd. Euro ein Drittel aller Ausfuhren aufnimmt. Es folgen Frankreich mit 281 Mio. Euro, die Schweiz mit 240 Mio. Euro und Italien (184 Mio. Euro), an fünfter Stelle liegt Tschechien (166 Mio. Euro). Kunststoffwaren werden in alle Kontinente und fast alle Länder der Welt exportiert. In Amerika sind die USA mit 120 Mio. Euro, in Afrika Südafrika mit 10 Mio. Euro, in Australien/Ozeanien Australien (16 Mio. Euro) und in Asien China (154 Mio. Euro) die wichtigsten Handelspartner.

Bei Importen von 3,2 Mrd. Euro verzeichnet der Kunststoffwarensektor eine positive Handelsbilanz. Die wichtigsten Einfuhrpartner sind Deutschland mit 1,6 Mrd. Euro, gefolgt von Italien (217 Mio. Euro) und der Schweiz (151 Mio. Euro).

Kunststofferzeugung

Die Produktion der Kunststofferzeugung beläuft sich 2015 auf rund 2 Mrd Euro, die Ausfuhr bei 1,7 Mrd Euro.

Das Produktionsprogramm umfasst die Standardkunststoffe Polyethen (PE, Polyethylen), Polypropen (PP, Polypropylen) und expandiertes Polystyrol (EPS) sowie Harze für Lacke und Klebstoffe sowie andere Kunststoffe

Wirtschaftliche Bedeutung

Kunststofferzeuger und -verarbeiter setzen 2015 Produkte im Wert von rund 7,4 Mrd Euro ab und halten damit einen Anteil von ca. 5 % an der Industrieproduktion. Neben Kunststoffrohstoffen und Kunststoffwaren wird auch eine Reihe von Hilfsstoffen für die Erzeugung und Verarbeitung von Kunststoffen, wie Stabilisatoren, Farbpasten, Gleitmittel, Füllstoffe und Trennmittel in Österreich hergestellt.

Wesentliche Volumina von Kunststoffrohstoffen werden auch von Unternehmen anderer Industriezweige verarbeitet. So z.B. werden Verpackungen oft von der Lebensmittelindustrie direkt hergestellt oder Teile für Elektrogeräte oder Kabel von der Elektroindustrie. Große Verbraucher sind auch die Kunstfaser- und die Schiindustrie. 

Historische Entwicklung

Was als Ersatz für Elfenbein begann – einer der ersten Kunststoffe (Zelluloid) wurde für die Erzeugung von Billardkugeln verwendet – findet sich heute überall in unserem täglichen Leben. Ein Werkstoff der vor nicht einmal eineinhalb Jahrhunderten das Licht der Welt erblickte, hat heute seinen Platz neben Materialien gefunden, die uns schon seit Jahrtausenden bekannt sind.

Die ersten Betriebe, die sich in Österreich um die Jahrhundertwende mit Kunststoff beschäftigten, waren Verarbeitungsbetriebe von aus Naturprodukten entstandenen Kunststoffen. Diese (Zelluloid, Kunsthorn, Galalith) wurden aus Deutschland importiert und händisch zu Knöpfen, Kämmen, Schmuck und ähnlichem verarbeitet. Sie dienten als Imitationen von Bernstein, Elfenbein und Perlmutt, da das Material billiger war und besser verarbeitet werden konnte.

1911 wurde in Blumau/NÖ die "Österreichische AG für Zelluloid Fabrikation" gegründet. Sie erzeugte Zelluloid in Form von Platten, Stäben und Rohren in allen Farben und Stärken. Schon 1914 wurde die Fabrik wegen Mangel an Nitrozellulose wieder stillgelegt.

1920 setzte der Staat die Österreichische AG für Zellulosefabrikation als "Österreichische Zelluloidwerke" wieder in Betrieb.

1920 wurde im Brunn/Gebirge die Akalit Kunststoffwerke AG gegründet, welche mit ca. 100 Arbeitern Vormaterialien für die Herstellung von Knöpfen, Kämmen und Modeartikel erzeugte. Die "Österreichische Granitol" – Kunstleder und Wachstuch Fabrik GmbH – wurde noch vor dem Krieg gegründet und 1922 in Österreichische Linoleum-, Wachstuch- und Kunstlederfabriken AG umgewandelt. Am Standort Traiskirchen wurden 1929 ca. 1.500 Arbeiter beschäftigt.

Anfang der 30er Jahre entstanden die ersten Kunstharz-Press-Betriebe. Kunststoffe fanden somit eine technische Verwendung und eine industrielle Verarbeitung. Sie wurden nicht mehr als Ersatzstoffe eingesetzt, sondern die Werkstoffwahl wurde bewusst getroffen. Mitte der dreißiger Jahre verfügte Österreich über 32 Pressereibetriebe mit mehr als 2.000 Beschäftigten.

Kurz nach den Pressen nahmen auch die Spritzgussmaschinen den Betrieb auf.

Der große Aufschwung der Kunststoffwirtschaft begann aber erst nach dem 2. Weltkrieg in den 50er und 60er Jahren. In dieser Zeit verzeichnete die Branche jährlich zweistellige Zuwachsraten.

1950 betrug der Pro-Kopf-Verbrauch an verarbeiteten Kunststoffen 0,3 kg, was im Vergleich zu Deutschland (2 kg) und den USA und England (5 kg) gering war. 1955 betrug er (inklusive Harze für Lacke, Leime etc.) schon 2,4 kg, 1960 8,7 kg, 1970 37,6 kg, 1980 98,8 kg und 2000 180,2 kg.