6. KV-Runde der Chemieindustrie erneut ohne Einigung: Arbeitgeber warnen vor gefährlicher Realitätsverweigerung
Jährlich 500 Millionen Euro Mehrkosten gegenüber Deutschland durch überhöhte KV-Abschlüsse seit 2020
Die sechste Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag der chemischen Industrie ist erneut ohne Einigung zu Ende gegangen. Während sich die wirtschaftliche Lage der Industriebetriebe weiter zuspitzt, verschärft die Gewerkschaft den öffentlichen Ton und war leider im Gegensatz zu den Arbeitgebern nicht bereit, sich in den Verhandlungen anzunähern. Für die Arbeitgeberseite ist damit klar: Mit dem weiteren Beharren auf überzogenen Forderungen entfernen sich die Gewerkschaften zunehmend von der wirtschaftlichen Realität der Branche.
Denn die Zahlen sind eindeutig. Seit 2020 lagen die kollektivvertraglichen Abschlüsse der chemischen Industrie in Österreich kumuliert rund zwölf Prozentpunkte über jenen in Deutschland – dem größten Absatzmarkt und wichtigsten Mitbewerber der heimischen Industrie. Für die Unternehmen der Chemieindustrie bedeuten diese zwölf Prozent mittlerweile jedes Jahr einen zusätzlichen Kostenballast von rund 500 Millionen Euro.
„Österreich kämpft im internationalen Wettbewerb mit erheblichen Nachteilen“, warnt Arbeitgeber-Verhandlungsführer Ernst Gruber. „Unsere Unternehmen schleppen mittlerweile einen enormen Kostenrucksack, während sich andere Länder auf niedrigere Abschlüsse einigen, um ihre Industrie wettbewerbsfähig zu halten.“
Die Folgen sind bereits sichtbar: Investitionen werden verschoben, Produktionskapazitäten hinterfragt und Standorte geraten zunehmend in Bedrängnis. In Österreich ist die chemische Produktion in den vergangenen drei Jahren bereits um rund 18 Prozent gesunken. Allein im vierten Quartal 2025 gingen zudem mehr als 600 Arbeitsplätze in der chemischen Industrie verloren.
Mit Unverständnis sieht die Arbeitgeberseite daher auch die zunehmende Emotionalisierung der Verhandlungen und die aktuellen Streikdrohungen der Gewerkschaft. „Es entsteht immer stärker der Eindruck, dass öffentliche Inszenierung wichtiger ist als der Erhalt des Industriestandorts“, so Gruber. „Wir müssen jedoch verantwortungsvoll handeln und Arbeitsplätze langfristig absichern, statt kurzfristig Schlagzeilen zu produzieren.“
Gruber ruft daher die Arbeitsnehmervertreter auf, in der nächsten Verhandlungsrunde am 2. Juni endlich über den Tellerrand zu blicken und den maßvollen deutschen Tarifabschluss als Vorbild zu nehmen.

