Klimagesetz: Klimaneutralität 2040 darf nicht zum Standortnachteil werden

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) unterstützt die europäischen Klimaziele und bekennt sich klar zur Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Voraussetzung dafür sind jedoch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und ein technologieoffener Ansatz. Österreich will bereits 2040 klimaneutral sein und damit zehn Jahre früher als die Europäische Union. Für die heimische Industrie würde dieser nationale Sonderweg den ohnehin anspruchsvollen Transformationsprozess zusätzlich beschleunigen.

Die österreichische chemische Industrie investiert bereits heute massiv in die Dekarbonisierung ihrer Produktionsprozesse, in Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und innovative Technologien. Diese Transformation kann aber nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen im internationalen Wettbewerb stimmen. Alles, was über die gemeinsam vereinbarten europäischen Vorgaben hinausgeht, gefährdet Investitionen, Wertschöpfung und Beschäftigung in Österreich“, betont FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch.

Laut Klimaschutzbericht 2026 des Umweltbundesamtes sind die prozessbedingten Treibhausgas-Emissionen der Chemieindustrie im Zeitraum 1990-2024 um 65 % gesunken. Die chemische Industrie zählt zu den Schlüsselbranchen für die grüne Transformation. Sie entwickelt Materialien, Technologien und Vorprodukte für erneuerbare Energien, Batterien, Wasserstoffanwendungen, nachhaltige Mobilität und die Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig ist die Branche im internationalen Wettbewerb einem erheblichen Kostendruck ausgesetzt.

Zehn Jahre machen einen Unterschied

Für Industrieunternehmen bedeutet ein früheres Ziel nicht einfach, dieselben Maßnahmen etwas schneller umzusetzen. Produktionsanlagen haben lange Lebenszyklen und können nicht beliebig früh ersetzt werden. Gleichzeitig müssen neue Technologien verfügbar, Energie und Infrastruktur vorhanden und Investitionen wirtschaftlich darstellbar sein.

Wir brauchen ein Klimagesetz, das Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen berücksichtigt. Nationale Sonderwege würden weder dem Klima noch dem Standort helfen. Emissionen würden lediglich ins Ausland verlagert, während Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich verloren gingen“, so Wieltsch weiter.

Ein national beschleunigter Zeitplan kann deshalb zusätzliche Kosten verursachen und österreichische Unternehmen gegenüber Wettbewerbern in anderen EU-Staaten benachteiligen.

Gemeinsam statt im Alleingang

Der FCIO appelliert daher an die Bundesregierung, bei der Ausgestaltung des Klimagesetzes auf Planungssicherheit, Technologieoffenheit und eine enge Abstimmung mit den europäischen Rahmenbedingungen zu setzen. Notwendig sind vor allem ein rascher Ausbau der Energieinfrastruktur, wettbewerbsfähige Energiepreise, beschleunigte Genehmigungsverfahren und gezielte Investitionsanreize für industrielle Transformationsprojekte.

Klimaschutz endet nicht an nationalen Grenzen. Deshalb sollte auch die Transformation der Industrie möglichst gemeinsam und koordiniert erfolgen.

Kontakt

Johanna Reber